1&1 Peering im Check: Welches Netz bekommst du an deinem Standort?

Wenn du darüber nachdenkst, zu 1&1 zu wechseln, stellt sich schnell eine wichtige Frage:
Über welches Netz läuft dein Anschluss am Ende eigentlich?

Genau das möchte ich dir heute zeigen.

Denn in den letzten Jahren hat sich beim Thema Peering einiges verändert. Immer mehr Nutzer berichten von langsamen Verbindungen oder ruckelnden Streams, vor allem bei Diensten wie YouTube, GitHub, Twitch oder Reddit. Das betrifft nicht nur das Netz der Deutsche Telekom AG, sondern seit einiger Zeit auch das von Vodafone.

Kein Wunder also, dass viele gerade sehr genau hinschauen, bevor sie einen neuen Vertrag unterschreiben.

Die gute Nachricht: Du kannst vorab ziemlich zuverlässig prüfen, welches Backend 1&1 an deinem Standort nutzen würde.

Und genau das machen wir in diesem Beitrag.

🧠 Kurz erklärt: Was ist Peering eigentlich?

Peering beschreibt vereinfacht gesagt, wie Internetanbieter ihre Netze miteinander verbinden.

Stell dir das wie Autobahnkreuze vor: Dein Provider hat ein eigenes Straßennetz. Große Plattformen ebenfalls. An bestimmten Punkten treffen sich diese Netze. Diese Übergänge nennt man Peering.

Früher lief das häufig über zentrale Internet-Knoten wie den DE-CIX in Frankfurt. Dort trafen sich praktisch alle großen Anbieter und tauschten ihren Traffic direkt aus. Bezahlt wurde im Wesentlichen nur der eigene Port. Brauchtest du mehr Bandbreite, bekamst du einen größeren Port. Fertig.

Für uns Nutzer hatte das einen riesigen Vorteil: kurze Wege, kaum Umleitungen und stabile Geschwindigkeiten. Egal ob Video, Download oder Git-Repo, die Daten nahmen meist den direktesten Pfad.

💰 Warum Peering zunehmend zum Problem wird

Heute sieht das vielerorts anders aus. Manche Anbieter versuchen diese Übergabepunkte gezielt zu monetarisieren. Heißt übersetzt: Kapazitäten werden knapp gehalten oder Content-Anbieter sollen bezahlen, damit ihre Inhalte flüssig beim Endkunden ankommen. Am Ende geht es dabei ziemlich schlicht um mehr Einnahmen.

Das Ergebnis kennst du vielleicht: Abends bricht die Geschwindigkeit ein, Videos puffern und Downloads fühlen sich an wie im Jahr 2005.

Und nein, das liegt in der Regel nicht an deiner Leitung. Sondern am Backbone, also der großen Datenautobahn hinter deinem Anschluss, die entweder überlastet oder bewusst knapp gehalten wird. Für dich als Nutzer ist das frustrierend, für die Anbieter ein Geschäftsmodell.

Gerade große Player wie Telekom und Vodafone sind in den letzten Jahren zunehmend davon weggegangen, Traffic offen an großen Internetknoten auszutauschen. Stattdessen setzen sie verstärkt auf private Übergabepunkte und bezahlte Verbindungen. Vodafone hat diesen Schritt 2025 vollzogen und rollt dieses Modell aktuell sogar international aus.

Für die Anbieter bedeutet das mehr Kontrolle und neue Monetarisierungsmöglichkeiten. Für uns Nutzer heißt es leider oft längere Wege für die Daten, mehr Engpässe am Abend und im Zweifel schlechtere Performance bei genau den Diensten, die man täglich nutzt.

Wichtig dabei:
Die sogenannte „letzte Meile“ gehört immer nur einem Anbieter. Aber ab dem Übergabepunkt kann dein Traffic über ein komplett anderes Netz laufen. Genau dort entscheidet sich oft, ob dein Internet Spaß macht oder nervt.

Kleiner Praxis-Tipp am Rande:
Ein VPN kann solche Peering-Probleme manchmal umgehen, weil dein Traffic dann über andere Übergabepunkte geroutet wird. Das ist keine Garantie, hilft aber in vielen Fällen überraschend gut, vor allem abends bei ausgelasteten Strecken.

🚦 Erstmal selbst testen: Gibt es bei dir eine Netzbremse?

Bevor wir ins Detail gehen, kannst du ganz einfach prüfen, ob dein aktueller Anschluss bereits betroffen ist.

Dafür gibt es den sogenannten Netzbremstest:

Damit siehst du schnell, ob bestimmter Traffic bei dir langsamer laufen als sie sollten.

Ein guter erster Reality-Check.

👍 Kleiner Lichtblick: Versatel und o2 schneiden aktuell gut ab

Im Moment berichten viele Nutzer, dass Anschlüsse über 1&1 Versatel sowie Telefónica Deutschland ein ziemlich solides Peering haben.

Heißt: Weniger Staus im Backbone, stabilere Verbindungen und meist bessere internationale Anbindungen.

Aber Achtung: Bei 1&1 ist das regional unterschiedlich und genau dafür gab es bisher eine praktische Karte.

Die Map nutzte die Verfügbarkeitsdaten von easybell und zeigte farblich an, welcher Carrier an welchem Standort verwendet wird (zum Beispiel 1&1 Versatel). Die Idee dahinter war, sichtbar zu machen, wo 1&1 Versatel Layer-2-Bitstream bereitstellt – und damit sehr wahrscheinlich auch das Backend für spätere 1&1 Anschlüsse liefert.

Aktuell lässt sich die Seite zwar noch aufrufen, die Waben bleiben jedoch grau und werden nicht mehr eingefärbt. Vermutlich hat sich an der API etwas geändert. Ich weiss es nicht.

Genau deshalb gehen wir jetzt einen Schritt direkter vor und fragen die Easybell-Daten selbst ab.

🔍 So findest du heraus, welches 1&1 Backend dein Standort nutzt

Jetzt geht’s ans Eingemachte. Wir nutzen dafür die Verfügbarkeitsprüfung von easybell.

Öffne diese Seite im Browser:

Öffne die Entwicklerkonsole:

  • Taste F12
  • oder Rechtsklick → Untersuchen

Wechsle oben in den Tab Netzwerk.

Lade die Seite einmal neu.

Klicke rechts oben auf DSL Verfügbarkeit und gib deine Adresse ein.

Ich habe als Beispiel spaßeshalber den Bundestag in Berlin genommen. Nach der Auswahl der Adresse zeigt dir die Seite die verfügbaren Technologien an, zum Beispiel:

  • VDSL Classic: 50 / 20 MBit/s
  • ADSL Annex J: 16 / 2.8 MBit/s

🧩 Der entscheidende Punkt: Der „TAL“-Eintrag

Nachdem die Seite deine Adresse geprüft hat, taucht im Netzwerk-Tab ein Eintrag namens TAL auf.

Den klickst du an. Rechts öffnet sich ein Bereich. Dort gehst du auf Antwort.

Jetzt siehst du eine JSON-Struktur. Interessant ist der Bereich results. Klapp diesen auf. Dort stehen die verfügbaren Anschlüsse inklusive Carrier.

Beispiel:

{
  "line": "vdsl",
  "name": "VDSL Classic",
  "carrier": "1U1"
}

und

{
  "line": "annexJ",
  "name": "ADSL Annex J",
  "carrier": "DTAG"
}

In diesem Beispiel bedeutet das:

  • VDSL läuft über 1&1 (Versatel)
  • ADSL läuft über DTAG, also die Deutsche Telekom AG

Und genau daran kannst du festmachen, was du nutzen würdest, wenn du an diesem Standort einen 1&1 Vertrag abschließt.

✅ Fazit

Mit ein paar Klicks kannst du heute schon ziemlich genau abschätzen, welches Netz dich bei 1&1 erwartet.

Das ersetzt keine echte Praxiserfahrung. Aber es hilft enorm bei der Entscheidung.

Mich würde jetzt wirklich interessieren, wie es bei dir aussieht:
Welches Netz nutzt du aktuell? Wie sind deine Erfahrungen, vor allem abends? Und spielst du selbst mit dem Gedanken zu wechseln?

Schreib das gerne unten in die Kommentare. Je mehr Rückmeldungen zusammenkommen, desto besser bekommen wir alle ein Gefühl dafür, wie die Lage draußen wirklich ist 🙂

Ich hoffe, ich konnte dir damit ein Stück Klarheit verschaffen.
Wenn ja: umso besser. Und wenn nicht, weißt du jetzt zumindest, wo du nachschauen kannst.

Vielen Dank fürs Teilen!